Drei Medaillen in Portugal
Ende Oktober an die portugiesische Atlantikküste fahren – es gibt sicher schlechtere Ideen. Jedoch war dies für die Judo-Veteranen des JVST kein verlängerter Sommer, sondern ein weiterer Jahreshöhepunkt. Vom 22. bis 25. Oktober fanden in Portimão die Europameisterschaften der Ü30 statt.
Der JVST war mit einer kleinen Delegation vertreten, aber durchaus erfolgreich.
Die beiden Altmeister Dr. Harald Fungk und Herbert Steinberg konnten sich Bronze erkämpfen.
Harald vom SV Grün-Weiß Wittenberg hatte in der M8 unter 73 kg einen guten Auftakt. Gegen seinen Gegner aus Italien kam er 50 Sekunden vor Schluss zu einem Yuko, den er ohne Probleme über die Zeit brachte. Im Halbfinale gegen einen Spanier gab es ein Hin und Her mit den Wertungen. Auch das Kampfgericht war etwas verwirrt. Nach anderthalb Minuten stand dann zumindest ein Yuko auf Haralds Seite. Kurz darauf erzielte sein Gegner den Ausgleich und beide mussten ins Golden Score. Harald versuchte viel, erzielte aber keine Wertung mehr, ebenso wie sein Gegner. Am Ende mussten die Kampfrichter entscheiden, sie taten es gegen Harald. Für den Kampf um Platz drei hieß es noch einmal Kräfte sammeln. Hier zeigte der Wittenberger, dass er nicht nur den Standkampf beherrscht. Über 40 Sekunden erarbeitete er sich eine Festhalte, aus der es kein Entrinnen mehr gab. Die Bronzemedaille war der Lohn.
Herbert Steinberg vertrat in der M9 unter 81 Kilogramm die Farben des FSV Magdeburg. Im Format Jeder-gegen-Jeden musste er viermal auf die Tatami. Im deutsch-deutschen Duell wurde er direkt zu Beginn überrascht. Sein Gegner wurde später überlegener Europameister. Kampf zwei ging knapp mit Yuko an seinen schwedischen Kontrahenten, doch im dritten Kampf kam dann direkt zu Beginn der O-uchi-gaeshi durch und führte zum Ippon-Sieg. Im letzten Kampf gegen einen Franzosen ging es dann um die Farbe der Medaille. Beide zeigten sich vorsichtig und bekamen einen Shido. Dieser weckte Herbert auf und er erzielte mit einer Sutemi-waza die Yuko-Führung. Diese galt es noch 45 Sekunden zu verteidigen, doch der Franzose kopierte die Technik des Magdeburgers, nur etwas besser und fand im Übergang auch noch die Festhalte. Damit blieb die Bronzemedaille, ein schöner Erfolg.
Das Meisterstück lieferte seine Vereinskameradin Lisa Hoffmann in der F1 unter 70 kg ab. In einem langen Auftaktkampf fand sie erst weit im Golden Score die entscheidende Yuko-Wertung. Im Halbfinale ging es schneller. Nach einem schwachen Angriff ihrer französischen Gegnerin ging sie konsequent im Boden nach und fand zwischen Tate-shiho-gatame und Uki-gatame die ausreichende Kontrolle über 20 Sekunden. Im Finale nahm sie den vorsichtigen Angriff der Schweizerin schön an und übernahm diesen mit Uchi-mata-sukashi. Diese Waza-ari-Wertung verteidigte sie bis zum Schluss, doch dann drehte ihre Gegnerin noch einmal Uchi-mata ein und kam damit auch durch. Die Landung war stark Waza-ari verdächtig, doch war der Ansatz noch in der regulären Kampfzeit? Alle schauten zum Kampfgericht und nach kurzer Analyse stand fest: Lisa Hoffmann ist Europameisterin.
Herzlichen Glückwunsch allen MedaillengewinnerInnen.
Bilder: EJU / Carlos Ferreira