Technischer Lehrgang zu Taiso und Selbstverteidigung beim USC Magdeburg und vier neue Dan-Grade (Daniel Amiri und Jakob Schiek)
Am 4. Oktober füllte sich die Sporthalle des USC Magdeburg wieder einmal mit zahlreichen Judoka. Neben vielen Graduierungsleistungen stand an diesem Tag der technische Lehrgang zu den Themen Taiso und judobezogene Selbstverteidigung auf im Mittelpunkt, es gab aber auch viele Modulleistungen im Dan-Bereich zu bewundern.
Der Lehrgang begann mit einem umfangreichen theoretischen Einstieg in die verschiedenen Aspekte der Selbstverteidigung. Dabei wurden unterschiedliche Gewaltformen, Möglichkeiten der Gewaltprävention sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen von Selbstverteidigungssituationen beleuchtet. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie sich Selbstverteidigungsinhalte sinnvoll und praxisnah in den regulären Trainingsbetrieb von Judovereinen integrieren lassen. Die anschließenden Diskussionen boten Gelegenheit, unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven auszutauschen.
Nach der Theorie ging es schließlich auf die Matte. Mit verschiedenen Taiso-Übungen wurde zunächst der Kreislauf in Schwung gebracht und der erste Schweiß des Tages vergossen. Anschließend erfolgte der direkte Übergang zu Atemi-Techniken sowie unterschiedlichen Abwehrstrategien.
Parallel vollendete Egbert Pietsch vom JC Halle seine Graduierung zum 4. Dan. Eloquent begründete er verschiedene Möglichkeiten der Technikeinteilung der Koshi-waza, Ashi-waza, Te-waza Osae-komi-waza und demonstrierte auf hohem Niveau verschiedene Situationen und warf interessante mechanische Zusammenhänge verschiedener Techniken auf. Weiterhin überzeugte er die Kommission mit seinen Auseinandersetzungen der historischen Wurzeln von Kano-Shihans Erziehungskonzept und der Entwicklung dessen in der aktuellen Judowelt.
In der Mittagspause schloss Julia Haase vom SV Halle mit der Nage-no-kata ihren Prozess zur Graduierung zum 2. Dan ab. Dabei stellte sie mit ihrem Uke Alexander Haase das Wechselspiel zwischen Situation und Situationslösung sehr gut heraus und zeigte ansprechende Techniken.
Nach der Mittagspause rückte beim Lehrgang zunächst der Bodenkampf in den Mittelpunkt. Anhand praktischer Beispiele wurde eindrucksvoll verdeutlicht, wie Schläge und Stöße die Dynamik vermeintlich bekannter Bodenkampfsituationen verändern und welche Konsequenzen sich daraus für das eigene Verhalten ergeben. Im weiteren Verlauf standen, angelehnt an die Inhalte der Kyu- und Dan-Graduierungsordnung, Verteidigungsmöglichkeiten gegen Angriffe in der Nahdistanz auf dem Programm. Insbesondere der Umgang mit Umklammerungen und Würgeangriffen wurde gemeinsam besprochen, praktisch erprobt und hinsichtlich seiner Anwendbarkeit diskutiert.
Der Lehrgang bot den Teilnehmenden eine große Bandbreite an Inhalten und zahlreiche Anregungen für das eigene Training. Gerade für viele der Anwesenden eröffneten sich dabei neue Perspektiven auf die Möglichkeiten und Besonderheiten der judobezogenen Selbstverteidigung. Die Vielzahl der behandelten Themen machte allerdings auch deutlich, dass die zur Verfügung stehende Zeit kaum ausreichte, um alle Aspekte in der gewünschten Tiefe zu betrachten. Das große Teilnehmerfeld und die rege Beteiligung während der theoretischen und praktischen Einheiten unterstrichen einmal mehr das hohe Interesse an den Themen Taiso und Selbstverteidigung. Gleichzeitig zeigte der Lehrgang, welches Potenzial diese Inhalte für die Weiterentwicklung und vielseitige Gestaltung des Breitensports im Judo bieten. Damit lieferte die Veranstaltung nicht nur zahlreiche Anregungen für die Trainingspraxis, sondern auch gute Gründe, sich künftig noch intensiver mit diesen Themen auseinanderzusetzen.
Danach zeigten Thomas und Ben Lammich (SG Blau-Weiß Gerwisch) beide ihre Nage-no-Kata für den 1. bzw. 2. Dan in beiden Rollen. Lars Floreck (1. Quedlinburger JC) und Michael Freyer (SV Halle) demonstrierten jeweils ihre Module Nage-waza für den 3. Dan; Michael führte außerdem seine Theorieleistung zum Thema Uke-Verhalten aus und vor.
Abgerundet wurden die Teilleistungen von Fabienne Arend (JJJV Ilsenburg), die für ihren 1. Dan Ne-waza demonstrierte und Daniel Klesel (KSV 09), der seine Nage-waza für den 2. Dan zeigte. Für Lars und Daniel waren damit ebenfalls nach viele Aktionen und einer Prüfung auf Herz und Nieren der Prozess zum nächsten Dan-Grad – Lars der 3. und Daniel den 2. – erfolgreich abgeschlossen. Herzlichen Glückwunsch besonders an Egbert, Lars, Julia und Daniel zum nächsten Dan-Grad, aber auch an die anderen Aspiranten, die ihrer nächsten Graduierung z.T. mehrere Schritte nähergekommen sind.
Insgesamt wieder ein erfolgreicher Judotag in Magdeburg, man wieder einmal konstatieren: Man hätte einen Sonntag auch schlechter verbringen können.