Vo eis uf eis i de Schwiiz
Die Schweiz teilt sich in vier größere Sprachregionen. Neben Deutsch, Französisch und Italienisch wird auch Rätoromanisch gesprochen. In der zweitgrößten Stadt der französischsprachigen Schweiz fand ein neuer Grand Slam statt. In Lausanne fand nach 58 Jahren (Europameisterschaften 1968) wieder ein Judogroßereignis am Genfer See statt. Es war ein besonderes Event, neben dem Grand Slam gab es auch internationale Wettkämpfe im Adapted Judo und Deaf Judo. Es war ein Judofest am letzten Augustwochenende.
Mit besonderem Augenmerk ging es für Miriam Butkereit auf die Tatami. Die Athletin vom SV Halle war an Position eins der Liste gesetzt. Neben dem Privileg eines hoffentlich guten Loses kommt auch der Druck der Nummer eins. Mit 35 Gegnerinnen war ihre Gewichtsklasse unter 70 Kilogramm auch zahlenmäßig gut besetzt.
In Kampf eins gegen die Kasachin Azhar Askhat gab es einen zähen Auftakt. Noch geschwächt von einer Erkältung aus den Vorwochen fand Miriam schwer in den Wettkampf. Mit 1:2 Shido ging es ins Golden Score, wo die erste Aktion direkt den Ippon brachte.
Im zweiten Kampf wartete mit der Japanerin Moka Kuwagata eine zu befürchtende schwierige Aufgabe. Doch die Japanerin hatte schnell zwei Shido auf dem Konto und konnte sich keinen Fehler mehr erlauben. Gegen eine taktisch so starke Kämpferin wie Miriam fast unmöglich. Etwa nach der Hälfte des Kampfes zeigte sich auch die technische Klasse deutlich. Aus einem engen Ko-soto-gake stieg Miriam um, brachte die Hüfte rein und ihre Gegnerin Richtung Rücken zu Boden. Waza-ari Führung und diese wurde ungefährdet über die Zeit gebracht.
Im Viertelfinale kam es zum Kampf gegen die Chinesin Yingying Feng. Die Zweitplatzierte der Asienmeisterschaften von 2025 landete im Boden und auch wenn sie sich stark widersetzte, in Miriams Reich gab es kein Entkommen. Ippon für Yoko-shiho-gatame.
Im Halbfinale gegen die russische Olympia-Dritte von 2021, Madina Taimazova, gingen beide vorsichtig in den Kampf. Nach 2:26 standen vier Shido auf der Anzeige, alle für Griff vermeiden. Allerdings setzte Miriam hier die Akzente und so die Russin unter Druck. Als diese sich wenig später etwas verzweifelt auf die Knie warf und Miriam sie hinter sich herzog, gab es den dritten Shido und damit den Finaleinzug.
Dort ging es im deutsch-deutschen Duell gegen Giovanna Scoccimarro, die sich mit cleveren Yuko-Siegen ins Finale vorgekämpft hatte. Wie häufig zwischen Nationalmannschaftskolleginnen, die sich gut kennen, kam es zum taktischen Duell. Miriam hatte die Oberhand und drückte zwei Shido für defensives Judo auf. Sie selbst erhielt einen Shido und drei Sekunden vor Ablauf der regulären Kampfzeit hatten die Kampfrichter genug gesehen. Ein Shido für beide beendete den Kampf. Ein Ausgang, mit dem beide sichtlich unzufrieden waren, auf dem Podest wenig später aber schon wieder lächeln konnten.
Für Miriam Butkereit ist es nach Taschkent im Februar der zweite Grand-Slam-Sieg in diesem Jahr. Dieser bringt ihr 1000 Punkte für die Weltrangliste, mit denen sie den Anschluss zu den Top 4 schafft und daraus eine Top 5 macht. Außerdem sind es weitere wichtige Punkte in der Olympiaqualifikation für LA28.
Der nächste Einsatz wird die WM in Baku sein. Dafür drücken wir die Daumen für ein ähnlich gutes Ergebnis.
Bilder: IJF / Tamara Kulumbegashvili