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27.06.2026 (J.Hannig )

Bronze im Land der Mitte

In der ehemaligen deutschen Kolonie Qingdao fand das diesjährige World Tour Turnier in China statt. Die 6-Millionen-Einwohnerstadt ist nach 10 Jahren Pause seit letztem Jahr wieder Austragungsort eines Grand Prix. Direkt nach dem Grand Slam Ulaanbaatar waren beim Grand Prix Qingdao sogar mehr Judoka am Start. Aus 57 Nationen kamen 500 WettkämpferInnen um sich vom 26.-28. Juni zu messen.

 

Aus Sachsen-Anhalt war wieder das Duo Stolze-Butkereit am Samstag kampfbereit.

Für Friederike war es das zweite Mal, dass sie auf der World Tour gesetzt war. In Runde eins kam es zum Wiedersehen mit der Ungarin Kriza. Gegen sie hatte sich die 63erin in Tiflis dieses Jahr den Knöchel verletzt und bis Ulaanbaatar eine Wettkampfpause einlegen müssen. Im links-links begann Friederike verhalten und bekam entsprechend nach einer Minute einen Shido. Danach fand sie besser in den Kampf und übernahm die Kontrolle. Kurz vor Schluss konnte sie sich einmal komplett einschrauben und mit Waza-ari den Sieg sichern.

In Runde zwei gegen die Finnin Seikkula ging es wieder ins links-links, diesmal aber von Beginn an mit mehr Kffeontrolle. Nach zweieinhalb Minuten war ein O-soto-gari auf Yuko erfolgreich. Ihre Gegnerin wollte dann den Ausgleich erzwingen und verletzte sich dabei unglücklich.

Im Poolfinale kam es etwas überraschend nicht zum Rematch der letzten Woche. Es hatte sich die Belarussin Makretskaya durchgesetzt. Friederike gab in diesem Kampf das Tempo an und war gegen die etwas unorthodoxe Gegnerin relativ ungefährdet, bis diese in einem Abtaucher die Richtung wechselte und dafür Waza-ari bekam. Statt dem Warten auf die eigene Wertung, musste diese jetzt gejagt werden. Auch wenn ihre Gegnerin noch zweimal auf der Kippe lag, fiel sie nicht. Statt Halbfinale also Hoffnungsrunde.

Gegen die Russin Galitskaia lebte die Hoffnung auch. Angriff gegengedreht und festgehalten. Finalblock für Friederike.

Dort ging es gegen die Weltranglistenfünfte Iva Oberan aus Kroatien. Beide haben sich dieses Jahr schon in Paris bekämpft, mit einem Sieg für die Kroatin. Auch in Qingdao zeigt die EM-Dritte dieses Jahrs, warum sie so weit oben in der Weltrangliste ist. Im vierten Ai-yotsu-Duell für Friederike hieß es wieder, die starke linke Hand nicht in den Nacken zu lassen. Während ihre Konter nicht ungefährlich waren, fehlten dem Kampfgericht die eigenen Ansätze der Sportlerin vom SV Halle. Als Folge gab es nach 40 Sekunden im Golden Score den zweiten Shido. Damit deutlich unter Druck gesetzt, ging Friederike ins Risiko und suchte im Infight immer weiter die Entscheidung. In einer knappen Situation gab der Kampfrichter Yuko und dieser hielt der Videoüberprüfung stand. Freude über die zweite Grand-Prix-Medaille brach sich Bahnen.

 

Miriam Butkereit hatte eine sehr volle Gewichtsklasse mit über 40 Gegnerinnen. An Position drei gesetzt, zeigte sie ihre Klasse und wofür sie auf der ganzen Welt gefürchtet ist. 1:09 gegen die Usbekin Razzokberdieva, 0:56 gegen die Russin Badurova und 1:13 gegen die Georgierin Gulbani brauchte sie um alle Kämpfe im Boden mit Festhalte zu gewinnen. Mit Geduld und Durchsetzungsvermögen erarbeitete sie sich Stück für Stück den Vorteil, den sie benötigte um am Ende eine sichere Festhalte zu erzielen.

Im Halbfinale kam es zur Chance auf Revanche gegen Lara Cvjetko. Beide hatten sich vor genau einer Woche im Bronzekampf von Ulaanbaatar getroffen. Dort konnte die Kroatin nach 5:42 mit drei Shido gewinnen. In Qingdao ging der Kampf 6:46, leider mit dem gleichen Ergebnis.

Zum Kampf um Bronze hatte sich die schwedische Weltranglistenachte Ida Eriksson vorgekämpft. Beide haben schon zweimal gegeneinander gekämpft, mit zwei Siegen für Miriam in 2024. Auch hier begann Miriam dominant und konnte dem Kampf ihren Stempel aufdrücken, auch wenn es nicht zu Wertung kam. Nach drei Minuten blieb die SV-Halle-Athletin, nachdem sie ausgehoben wurde, in der Aktion und arbeitete aktiv weiter für ihren Wurf. Eriksson fiel und den Waza-ari verteidigte Miriam indem sie direkt im Boden angriff, so dass die Schwedin selbst gar keine Chance mehr auf eine Aufholaktion hatte. 

 

Nach Platz fünf in Ulaanbaatar die erste Medaille im neuen Qualifikationszyklus für Miriam und eine durchaus erfolgreiche Asientour. Neben der Medaille nimmt sie auch 710 Weltranglistenpunkte mit nach Hause.

 

Mit den beiden Bronzemedaillen ist den Damen des JVST auch ein Novum in der Geschichte des Verbandes gelungen. Zum ersten Mal in der Geschichte des Verbandes konnten auf einem World Tour Turnier zwei JVST-Judoka auf das Treppchen.

 

Die World Tour geht jetzt in eine kleine Sommerpause und geht im August weiter.

 

Bilder: IJF / Emanuele Di Feliciantonio