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26.01.2026 (J.Schiek )

Gut Ding will Weile haben – LMC Mixed Team 2026

Zur fünften Auflage des Landesmannschaftscups Mixed Team trafen sich am 24.01. direkt nach der LEM U18 / U21 sieben Teams in Gerwisch. Die Blau-Weißen richteten wie inzwischen schon traditionell die Landesmeisterschaft und den LMC Mixed Team sehr professionell und mit viel Manpower aus. Viele Landeskampfrichter blieben erneut nach der LEM und der Kampfrichter-Obmann Christian Albrecht stellte sogar das neue Care-System des JVST zur Verfügung – vielen Dank an alle Unterstützer des Mannschafts-Judos in Sachsen-Anhalt. Nach der Eröffnung durch Daniel Amiri, Matthias Meyer und Jakob Schiek ermittelten im vorgepoolten K.O.-System die Mannschaften aus ganz Sachsen-Anhalt ihre Sieger. Im Viererpool befanden sich die SG Friesen Naumburg, der SV Blau-Rot Pratau, „Michis Tatami-Kommando“ vom SV Halle und wie schon letztes Jahr das Team der Uni-Sport-Gruppe der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg. Im Dreierpool fanden sich gleich drei Vorjahresmedaillen-Gewinner: Die Bronzemedaillisten der KG Harz verstärkten sich diesmal noch mit Kämpferinnen und Kämpfern aus Zerbst zur KG HarZerbst. Hinzu kamen die Vorjahresvizemeister vom HaldensleberJCHalle und die Vorjahressieger vom USC Magdeburg. Neben den Kämpfern waren diesmal auch sehr viele Kampfrichter anwesend: Mit sieben weiteren Kampfrichtern konnte Hauptkampfrichter Julius Hannig das Turnier starten und dazu saß Torsten Hannig wieder am PC und betreute die Live-Tabelle und den Live-Stream.

 

Der spanende Viererpool:

Die Uni Halle stellte wieder ein Team maßgeblich wenig erfahrener Wettkämpfer – umso höher ist anzurechnen, dass sich das Team um Tim Reinholz erneut der Herausforderung des LMC gestellt hat und das mit nur drei Männern, zwei in der -81 und ein 66er – einige Vereine trauen sich bei so geringer Besetzung dann nicht mal ein Team zu stellen. Die Begegnungen im Pool verlor das Team zwar alle, erkämpfte aber jeweils zwei Einzelsiege in den Begegnungen. Punktegaranten waren dabei die Frauen, vor allem Tabea Möser (-57 kg) und Margit Rosenburg (-70 kg). Dennoch ging es mit den drei Pool-Niederlagen in die Trostrunde.

Also kämpften das „MTK“, Blau-Rot Pratau und die Friesen Naumburg aus, wer in die Halbfinals einziehen würde. Angeführt von den Trainern Michi Freyer und Luise Malzahn siegten die Kämpfer vom SV Halle in z.T. sehr schnellen Einzelbegegnungen gegen die Naumburger (5:2) um Jenny Hemstedt und die Pratauer (6:1) um das Vater-Sohn-Gespann Micha und Adriano Horn. Damit war der Halbfinalstart des MTK als Pool-Erster sicher. Die Teams aus Naumburg und Pratau mussten etsprechend auskämpfen, wer in das zweite Halbfinale einziehen würde und wer in den Kampf um Platz 5 gehen würde. In der Begegnung ging es hin und her: +70 kg Sieg für Pratau – 0:1; -57 kg kampfloser Sieg für Naumburg – 1:1; -81 kg wieder Sieg für Pratau – 1:2. Nun erhöhten die Pratauer -90 kg durch den souveränen Sieg durch Timur Fajzulin auf 1:3 aber die Naumburger holten nun auch zwei Siege am Stück durch Frederike Steinhof (-70 kg) und Paul Hülße (-66 kg) – 3:3. Im Schwergewicht der Männer musste also die Entscheidung fallen. Und mit der knappest möglichen Wertung über die Zeit holte Robert Rochlitz den Sieg für die SG Friesen Naumburg und katapultierte sie ins Halbfinale. Die Pratauer zogen direkt in den Kampf um die Holzmedaille ein.

 

Der nicht weniger spannende Dreierpool:

Im anderen Vorrundenpool machten sich die Vorjahressieger vom USC Magdeburg um Daniel Amiri ausfall- und verletzungsgeschwächt wenig Hoffnungen auf eine Titelverteidigung – aber wenigstens ins Halfbfinale wollte man es schaffen. Dafür musste mindestens ein Sieg her. In der Wiederauflage des Vorjahresfinales gegen den HaldensleberJCHalle um Egbert Pietsch ging es für die Landeshauptstädter gut los: Gleich 5:2 schickten sie die Gegner von der Matte – bei einer unbesetzten Gewichtklasse. Beide Mannschaften hatten mehrere Starter, die schon bei der LEM gekämpft hatten – z.T. in beiden Altersklassen. Letztlich konnte nur Johann Schwenke -81 kg einen Punkt für den HaldensleberJCHalle erkämpften. Highlight war aber der Kampf -70 kg zwischen zwei der Schadenberg-Schwestern, bei denen die Eltern mit angehaltenem Atem am Mattenrand standen, denn die Familie aus Haldenleben war in vielen Mannschaften vertreten und in allen eine geschätzte Verstärkung zum LMC.

Die HaldensleberJCHalle-Judoka standen nun schon mit dem Rücken zur Wand und mussten gegen die KG HarZerbst gewinnen, um noch Chancen auf Edelmetall zu haben. Doch die Harzer und Zerbster um Lars Floreck und Matthias Meyer holten sich gleich drei Punkte am Stück durch Sandra Hummel (+70 kg), Fabienne Arend (-57 kg) und Albert Rupprich (-81 kg). Doch Johann Schwenke und Lina Große hielten die Weiß-Roten vom HaldensleberJCHalle -90 kg und -70 kg im Rennen gegen die Rot-Weißen von der KG HarZerbst und erkämpften die Anschlusspunkte auf 2:3. Doch Omar Jamschedi holte den vierten Punkt für die HarZerbster, da half auch die Verschönerung des Ergebnisses auf 3:4 im Schwergewicht nichts mehr. Somit gingen die HaldensleberJCHallenser in die Trostrunde und im inoffiziellen Poolfinale zwischen dem USC Magdeburg und der KG HarZerbst ging es nun darum, wer in welches Halbfinale einziehen würde.

Für Daniel Amiri wurde hier der Favorit des Tages deutlich: Die HarZerbster „hatten ein starkes Team, mit gut vorbereiteten Kämpfern aufgestellt.“ Die vielen zittrigen und engen – und z.T. auch langen – Kämpfe zeichnen für den Trainer des USC den LMC als Turnier aus. Auch Vizepräsident Sport des JVST Julius Hannig und Landestrainer Mike Kopp stimmen zu, dass das Niveau des LMC immer weiter ansteigt und entsprechend auch dem Niveau des gesamten Judo in Sachsen-Anhalt guttut.

Wieder einmal ging es hin und her: Schwergewicht Frauen 1:0 HarZerbst; -57 kg 1:1; -81 kg 2:1; -90 kg 2:2; -70 kg ging der USC Magdeburg das erste Mal in Führung: 2:3 Magdeburg. Doch eigentlich stand es schon 3:3, denn die Hauptstädter mussten das Schwergewicht der Männer unbesetzt lassen. Demnach war die Gewichtsklasse -66 kg die entscheidende Begegnung und die ging tief ins Golden Score. Letztlich war es der Magdeburger Rostislav Emelanov, der den sonstigen Punktegaranten aus Quedlinburg auf die Seite beförderte und so die Magdeburger zum Poolsieger machte.

 

Holz zum Trost:

In der Trostrunde baute Egbert Pietsch sein Team nach den Vorrundenniederlagen auf und die Kämpfer vom HaldensleberJCHalle zeigten mit einem 6:1 Sieg über die Uni Halle (die damit 7. wurden), dass sie nicht ohne Medaille nach Hause wollten. Auch im Kampf um das Edelholz gingen die Weiß-Roten gegen die Blau-Roten aus Pratau direkt +70 kg, -57 kg und -81 kg mit 3:0 in Führung. Zwar konnten die Pratauer -90 kg auf 3:1 verkürzen, doch Lina Große sicherte den Haldenslebern und Hallenser den 5. Platz -70 kg. Je noch ein Punkt ging an jedes Team und am Ende hieß es damit 5:2 für den HaldensleberJCHalle. Sechster Platz für den SV Blau-Rot Pratau und Holzmedaille für das Team des JC Halle und des Haldensleber JC.

 

Ein eindeutiges und ein enges Halbfinale:

Im Halbfinale USC Magdeburg gegen SG Friesen Naumburg zeigten die  Magdeburger ein weiteres Mal ihre Klasse: 6:0 gingen die Hauptstädter in Führung. Da war es dann auch egal, dass man das Schwergewicht der Männer abgab. Da Daniel Amiri dort den 66er Rostislav, der seinem Team gegen die KG HarZerbst den Poolsieg holte von der niedrigsten in die höchste Gewichtsklasse stellte und damit geplant abgab. Ein kleiner Wehrmutstropfen war, dass sich Punktegarantin Milla Kolba in ihrem Kampf verletze – aber dennoch den Punkt sicherte. Die SG Friesen Naumburg um Jenny Hemstedt holte dennoch nach einem Jahr ohne Platzierung beim Mixed Team eine starke Bronzemedaille.

Das andere Halbfinale zwischen Michis Tatami-Kommando und der KG HarZerbst war nicht annähernd so eindeutig: +70 kg holte Sandra Hummel ein weiteres Mal den ersten Punkt für die Rot-Weißen, doch Sina Bauer glich -57 kg für die Kämpfer de SV Halle aus – 1:1. Es kam zu einem der spannendsten Kämpfe des Tages zwischen Albert Rupprich (KG HarZerbst) und Anton Emmerling (MTK). Die zwei schenkten sich Nichts, es gab eine spannende Aktion nach der anderen und am Ende war es Albert Rupprich, der den Punkt holen konnte. Doch wieder blieben die Schwarz-Grünen dran: Kai Pfirrmann holte -90 kg den Punkt – 2:2. Und es war nicht vorbei mit der Spannung, denn auch in der -70 kg (Sieg für Josephin Lüdecke KG HarZerbt) und der -66 kg (Sieg Jonas Purschke Michis Tatami-Kommando) Klasse gingen die Punkte hin und her – 3:3. Entscheidung im Schwergewicht der Männer +90 kg und hier ging der Punkt dank Paul Schulz an die KG HarZerbst, der damit die Rot-Weißen ins Finale beförderte und den Schwarz-Grünen aus Halle die Bronzemedaille aufzwang. Damit war klar: eine der engsten Begegnungen des Tages – das „Poolfinale“ USC Magdeburg – KG HarZerbst aus der Vorrunde bekam seine Wiederauflage im Kampf um den Pokal.

 

Ein Finale so spannend wie in der Bundesliga:

Finale. Nervosität. Anspannung. Konzentration. Siegeswille. Druck. Teamgeist. All das fühlten die Judoka der Finalteilnehmer.

+70 kg konnten sich die HarZerbster wieder auf ihre Garantin Sandra Hummel verlassen, erste Aktion: tiefer Seoi-nage, Übergang, Yoko-shiho-gatame. 0:1 HarZerbst – dank Sandra, die wie immer ihrer Gegnerin mit einem einnehmenden Lächeln hochhalf. 

-57 kg ging ebenso schnell. Helena Zimmermann war bisher den ganzen Tag sieglos, aber als es im Finale drauf ankam, lieferte sie ab. Erste Aktion: Ura-nage, Übergang, Okuri-eri-jime. Ippon. 0:2 HarZerbst. Die Ilsenburger Frauen hatten ihren Teil für den Finalsieg getan.

Eine Partie, bei der man beim Auflaufen der Kämpfer das spannende Knistern in der Luft schon spüren konnte, war -81 kg. Hin und her – Angriff nach Angriff, Ausweichen und Abwehr, Übergang, Griffschlacht. Komeyl Falah (USC Magdeburg) und Albert Rupprich (KG HarZerbst) lieferten sich eine lange, harte und qualitativ hochwertige Begegnung, bis: Angriff Abtaucher, Konterversuch, Richtungswechsel, Landung, Matte. Fast eine Minute lang schauten sich die Kampfrichter die Aktion noch einmal auf Video an, dann war klar: Yuko für Albert Rupprich. 0:3 HarZerbst. Damit hatte auch der Halberstädter seine Schuldigkeit mehr als getan, wie Sandra Hummel hatte er jeden seiner Kämpfe gewonnen (auch in den LEM U18 und U21).

Die Begegnung -90 kg war nicht weniger spannend. Elf Minuten waren Anton Bork (USC Magdeburg) und Oscar Peltzer (KG HarZerbst) auf der Matte, die Spannung stieg immer weiter. Immer wieder sah es so aus, als wäre diese eine Aktion, die Aktion mit Wertung. Immer kräftezehrender wurde der Kampf, immer fester die Unterarme, immer schwerer die psychologische Last. Aber auch immer energischer der Siegeswille und nach mehr als doppelter Kampfzeit kam ein Sumi-gaeshi mit Wertung durch – von Oscar Peltzer und am Rand war bei den Rot-Weißen kein Halten mehr. Der junge Zerbster hatte alles gegeben und nur noch die Kraft, seinem Trainer Matthias Meyer und seinem Teamkapitän Lars Floreck in die Armen zu fallen. Die Goldmedaille und der Pokal waren für die KG HarZerbst sicher, das Finale entschieden. Der Druck viel ab.

„Das war für mich der beste Moment des Tages,“ sagte Lars Floreck später „als Oscar den vierten Punkt gegen Magdeburg geholt hat, hat Omar mich vor Freude gepackt und hochgehoben. Aber insgesamt möchte ich niemanden hervorheben, alle im Team haben heute super gekämpft.“

Applaus gebührt auch Till Schumacher und Jörg Schumacher, die diese beiden harten und langen Kämpfe sehr souverän schiedsten. 

Persönlichen Druck verspürte noch Milla Kolba. Sie wollte einen perfekten Tag hinlegen und kämpfte sich trotz schmerzendem Knie noch ein weiteres Mal über die volle Zeit. Mehrfach musste sie schmerzend die Zähne zusammenbeißen aber sie holte -70 kg den ersten Punkt der Begegnung für den USC Magdeburg gegen die Zerbsterin Jesephin Lüdecke.

Doch die HarZerbster waren nicht mehr zu halten: Beflügelt vom sicheren Gold fand der Quedlinburger Omar Jamshedi gegen den Landesmeister U21 Yassin Brittel den perfekten Moment für eine Vor-Rück-Kombination. 1:5 KG HarZerbst.

Zum Schluss stand im Schwergewicht erneut der hochgestellte 66er Rostislav Emelanov dem Gaststarter der KG HarZerbst Paul Schulz gegenüber. Wer aber glaubt, dass „Rosti“ bei der schon feststehenden Niederlage hier abschenke, der täuscht sich. Mehr als einmal versuchte er sich bei dem fast doppelt so schweren Gegner in einen tiefen Seoi-nage reinzuschrauben. Doch der routinierte Kämpfer vom Judokan Schkeuditz nutze einen Übergang und holte mit Yoko-shiho-gatame das 1:6 für die KG HarZerbst.

„Die KG HarZerbst hatte das Comeback des Tages. Wir waren mit den Kräften am Ende und die Harzer zeigten im Finale das bessere Judo.“ Erkannte Daniel Amiri neidlos die Leistung der Finalgegner an.

Letztlich trugen also auch im Finale alle Vereine, die Lars Floreck unter der KG HarZerbst vereint hat, zum Sieg des Teams bei. „Vereint“ ist hier der richtige Begriff, denn egal wen der Rot-Weißen man fragt, es wird immer „Lars“ als Antwort gegeben, was dieses Team ausmache. Eine wahre Sachsen-Anhaltinische Erfolgsgeschichte hat der Quedlinburger da geschrieben. Nach dem Wiederaufbau des quasi nicht mehr existenten 1. Quedlinburger JC vor und durch die Corona-Zeit hindurch und dem Aufbau der KG Harz mit dem JJJV Ilsenburg zusammen ab 2022, hat sich die Truppe um den sympathischen „Harzer Wikinger“, wie ihn einige seiner Freunde gerne nennen, in jedem Jahr verbessert, nach vorne gekämpft und sich nun mit dem ersten Sieg bei einer LMC Veranstaltung gekrönt. Glückwünsche gab es entsprechend auch von allen Seiten und keiner missgönnte den HarZerbstern diesen grandiosen Erfolg.

Der Harzer Wikinger sagte am Tag nach dem LMC: „Den Pokal in der Hand zu halten ist wirklich unglaublich, weil ich damit nie gerechnet hätte. Aber als wir das Halbfinale gewonnen haben, habe ich gehofft, dass wir die knappe 3:4 Niederlage gegen den USC umkehren können und mit 4:3 gewinnen. Aber 6:1? Das hätte ich nicht gedacht!“ Zur Veranstaltung allgemein meinte er: „Die Stimmung war super. Als wir gegen Michis Tatami-Kommando im Halbfinale dran waren, waren die so laut – es war auch ein Kampf der Anfeuerer am Mattenrand. Aber zum Finale waren wir lauter, würde ich behaupten.“ Wer das nachprüfen will, kann dies im in der Stream-Aufzeichnung tun: https://www.youtube.com/live/9Lhs9bVgIF8?si=Ykv0zdnDKrOvQJns

Im Rahmen der Siegerehrung gab es noch eine Neuerung: Zum ersten Mal wurde ein „MVP“ der Veranstaltung gekürt. Über 400 Stimmen wurden dafür in der Halle und Zuhause an den Endgeräten abgegeben und das Ergebnis überraschte einige, aber nicht alle: Denn die Naumburger konnte für ihre noch neu im Verein befindliche 70erin Frederike Steinhof jubeln, die bei ihrem LMC-Debut direkt die erste MVP wurde.

Herzlichen Glückwunsch an allen Medaillenträger, besonders an die Kämpfer der KG HarZerbst und an die MVP Frederike Steinhof. Danke an das grandiose Team der SG Blau-Weiß Gerwisch und an die vielen Kampfrichter. Sowie an Daniel, Matthias, Julius, Torsten und Jakob für die Organisation des LMC und ein ganz besonderer Dank an den Präsidenten des JVST Hagen Dolge, der den ganzen Tag in der Halle blieb, obwohl er keinen „eigenen“ Vereinssportler beim LMC hatte und zur Siegerehrung weit nach 18 Uhr die Urkunden, Medaillen und den Pokal an die Mannschaften übergab.